Seitenbereiche:

Medizin im Vormarsch - Nicht nur Leben retten, sondern Lebensqualität sichern

Die Medizin ist, nicht zuletzt angesichts der höheren Lebenserwartung und der alternden Gesellschaft, ein stetig wachsender Dienstleistungssektor. Organisationsstrukturen sind im Wandel und wissenschaftliche Erkenntnisse überholen sich schnell. Umso wichtiger ist hier der medizinische Dialog und Austausch, wie er bei internationalen Kongressen und Tagungen stattfindet. Prim. Univ-Prof. Dr. Heinrich Binder ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Neurorehabilitation und durfte Ende März den World Congress on NeuroRehabilitation mit rund 1.800 Ärzten in der Hofburg Vienna organisieren. In Interview spricht er über seine Kongresserfahrungen.

Interviewer: Mit welchen zentralen Themen beschäftigt sich die NeuroRehabilitation und der 6th World Congress on NeuroRehabilitation ?

Binder: Die meisten Menschen sind fasziniert von der Idee Leben zu retten und vergessen dabei leider allzu oft, dass es auch ein Leben jenseits von Notfallambulanz und Intensivstation gibt, ein Leben, das leider allzu oft von lang dauerndem Leid und Behinderung geprägt ist. Menschen mit Erkrankungen des Nervensystems sind davon besonders betroffen. Neurorehabilitation beschäftigt sich mit eben diesen Patienten und versucht die Folgen beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einer Hirn- oder Rückenmarksverletzung zu minimieren. Man konzentriert sich dabei nicht mehr nur auf die Motorik sondern zunehmend auch auf Sprache, geistige Leistungsfähigkeit, Emotionalität und vor allem explizite Wiedereingliederung in Familie und Beruf mit entsprechender Lebensqualität. Lange bekannte Behandlungsstrategien beispielsweise im Rahmen von Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie werden durch neue Behandlungsstrategien ergänzt. Dazu zählen nicht nur neue Medikamente sondern auch technische Gerätschaften, mit denen verschiedene Funktionen des Ner-vensystem z.B. elektrisch gezielt stimuliert, moduliert oder wie im Falle der „Robotics" trainiert und unterstützt werden können. Obwohl gegenwärtig noch nicht therapeutisch einsetzbar geben die Er-gebnisse neurologischer Grundlagenforschung berechtigte Hoffnung für weitere Innovationen unter anderem auf dem Gebiet der „Brain-Computer-Interfaces" und der Stammzelltherapie. Neurorehabilitation ist eines der am schnellsten wachsenden Spezialgebiete der Medizin.

Interviewer: Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurorehabilitation und Mitglied der World Federation of NeuroRehabilitation was war Ihre Motivation den 6th WCNR nach Wien und in die Hofburg zu bringen?

Binder: Die World Federation of NeuroRehabilitation - kurz auch WFNR genannt - vereint gegenwärtig 27 nationale Gesellschaften mit rund 5.000 Mitgliedern. Die Österreichische Gesellschaft für Neurorehabilitation zählt zu den ältesten Mitgliedern und wollte sich im Rahmen des Kongresses gezielt mit neuen Ideen einbringen. Ein zentrales Anliegen war Musik als therapeutische Möglichkeit zu sehen. Wien hat nicht nur eine lange Tradition in Neurorehabilitation. Es hat auch eine herausragende Tradition an Komponisten und aufführenden Musikern. Und vor allem liegt Wien nicht nur im Zentrum von Europa, es kann auch als Tor zu einem auch wissenschaftlich aufstrebenden Osteuropa gesehen werden. Nicht zuletzt weist Wien, seitdem der „Wiener Kongress" getanzt hat, eine glänzende Kongresstradition auf. All dies und vor allem das einzigartige imperiale Ambiente der Wiener Hofburg als Kongressort war Grund genug für eine selbstbewusste Bewerbung um die Zuteilung des 6. Weltkongresses für Neurorehabilitation, eine Bewerbung, der nach kurzer Beratung des Management Komitees der WFNR auch einstimmig zugestimmt hat.

Interviewer: Welches Resumé ziehen Sie vom WCNR 2010 und wie sehen sie die Zukunft des Kongresses?

Binder: Wir haben von unseren Teilnehmern nur positive Rückmeldungen bekommen. 138 ausgesuchte internationale Fachleute garantierten als Vortragende ein wissenschaftliches Programm auf höchstem Niveau. Sowohl Vortragende als auch Zuhörer waren nicht nur begeistert von der beeindruckenden Kongresskulisse der Wiener Hofburg sondern auch von Organisation und Service vor Ort. Vielfach war zu hören, dass man noch keinen Kongress erlebt habe, der so reibungs- und problemlos abgelaufen wäre. All dies habe diesen 6th WCNR in der Hofburg Vienna unvergesslich gemacht. Wir sind deshalb auch sicher, dass die fast 1.800 Teilnehmer - es ist dies die höchste Anzahl an Teilnehmern aller bisherigen Weltkongresse der WFNR - ihre positiven, zum Teil sogar überschwänglich geäußerten Eindrücke weltweit verbreiten werden. Dies könnte sich nicht zuletzt für künftige Bewerbungen um die neuerliche Ausrichtung eines internationalen Kongresses als nicht unbedeutender Bonus erweisen.

So setzt nicht nur der 6th World Congress on NeuroRehabilitation auf die Hofburg Vienna, dank zahlreicher Stamm- und Wiederholungskunden ist das Kongresszentrum für 2010 und die Folgejahre gut aufgestellt. Im Herbst tagen mit dem Österreichischen Zahnärztekongress und dem 27. AGA Kongress (Deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft für Arthroskopie), die jeweils rund 1.000 Ärzte in die Hofburg bringen, weitere hochkarätige medizinische Konferenzen. Es gibt auch schon Kongressbuchungen bis ins Jahr 2014. Beispielsweise wird 2012 der 3rd TERMIS World Congress (Tissue Engineering & Regenerative Medicine International Society) über 1.000 Experte in die Hofburg Vienna ziehen. Auch für 2014 konnte sich das Kongresszentrum soeben einen medizinischen Jubiläumskongress mit an die 1.000 Teilnehmern sichern.

Schreiben auch Sie uns von Ihren Veranstaltungserfahrungen mit der Hofburg Vienna! Weitere Eindrücke von unseren Kunden können Sie online nachlesen.